Die Hauptschule war die Rettung
Einserschüler Femi Vllasaliu aus Fautenbach träumt vom Ingenieursstudium und von der eigenen Firma
Ausländer sind faul, wollen sich weder integrieren noch die deutsche Sprache sprechen und liegen dem Steuerzahler nur auf der Tasche. Solche Pauschalurteile á la Thilo Sarrazin kann Femi Vllasaliu nur weglachen. Der 17-Jährige beweist, dass es auch anders gehen kann Seit drei Wochen besucht der junge Mann aus Fautenbach das Technische Gymnasium (TG) in Bühl, nachdem er als einer der drei Jahrgangsbesten die zehnte Klasse der Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Achern abgeschlossen hat.
»Natürlich will ich in drei Jahren Abitur machen, anschließend studieren und dann als Ingenieur arbeiten«, zählt Femi auf. »Aber ich träume davon, irgendwann eine eigene Firma zu besitzen.«
Ehrgeizige Pläne
Mögen seine Zukunftspläne noch so zielstrebig klingen, auch der 17-Jährige war nicht vor einem Durchhänger gefeit. »In der dritten und vierten Klasse der Grundschule war ich richtig schlecht. Ich bin sogar sitzengeblieben. Mir hat einfach der Anschluss an den Lehrstoff gefehlt«, erinnert er sich. Wenn ich zum Beispiel in Mathematik etwas gefragt habe, meinte der Lehrer, er habe es schon einmal erklärt, das reicht.« Die Frage des deutschen Mitschülers dagegen habe der Pädagoge beantwortet. Femi glaubt, dass seine Herkunft daran schuld war. »Die Lehrer achten schon darauf, woher jemand kommt.«
Hamide, die Mutter des Jungen, der 1992 in Radolfzell am Bodensee geboren wurde, stammt aus dem Ort Gilan im Kosovo. »Meine Mama hat ein Jahr zuvor ihr Zuhause wegen des Krieges verlassen«, erzählt Femi. Aber schon einen Monat, nachdem sie hier angekommen war, habe sie einen Job und eine Wohnung in Achern gefunden. Auch Deutsch habe sie bereits etwas gekonnt durch Verwandte in ihrer Heimatstadt
Fließend gelernt habe Hamide die für sie fremde Sprache dann zusammen mit ihrem Sohn, der von klein auf neben Albanisch auch Deutsch beigebracht bekam.
Kein Wunder, dass seine Mama das beste Beispiel dafür gewesen sei, was das Thema »so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen« betreffe, sagt Femi.
Deutsch sprechen
Heute wird im Hause Vllasaliu, das sich seit sechs Jahren in Fautenbach befindet, hauptsächlich Deutsch gesprochen. »Auch wegen meines Stiefvaters Ingo, der nur Deutsch kann«, schmunzelt Femi. Zudem stand seit der Haupt- und Werkrealschulzeit Englisch auf dem Stundenplan, nun kam im TG noch Französisch als Fremdsprache hinzu. »Das reicht erstmal an Sprachen«, betont Femi.
Ein Einserschüler
Doch zurück zum schulischen Einbruch des jetzigen Einserschülers. Wegen seiner schlechten Leistungen musste der Elfjährige die Hauptschule Achern besuchen. »Ich habe mich als Versager gefühlt. Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, dass ich es so weit bringen kann.«
Heute ist er überzeugt davon, dass ihm etwas Besseres als die Hauptschule nicht hätte passieren können. Die Lehrer seien auf die Schüler eingegangen, und zusätzliche Lese- und Rechtschreibekurse haben dafür gesorgt, dass es mit den Leistungen des Jungen bald aufwärts ging.
Hinzu kam, dass Femi in seiner Freizeit mit dem Bodybuilding anfing. »Dort habe ich gemerkt, wenn ich mich konzentriere, dann kann ich meinen Körper trainieren. Wenn ich den Kopf trainieren kann, dann schaffe ich es, Ingenieur zu werden.«
Das habe bei ihm einen Schalter umgelegt, gibt der Teenager freimütig zu. Außerdem habe er gesehen, wie hart seine Mutter als Reinigungskraft für wenig Geld arbeitete. Da sei ihm klar geworden, er wolle es anders machen. »Und dazu gehören nun mal gute Noten in der Schule.«
Wechsel in Realschule
Bereits in der siebten Klasse hätten diese genügt, das Femi auf Vorschlag einer Lehrerin hin auf die Realschule hätte wechseln können. Doch er wollte nicht. »Ich hatte Angst, dass ich es dort nicht schaffe.«
Diese Befürchtungen sind in der Zwischenzeit schon längst zerstreut. Heute strotzt der Junge vor Selbstsicherheit und Eloquenz. »Das Reden halten vor den Kollegen und der Abschlussklasse hat mein Auftreten schon sehr verbessert«, weiß der Fautenbacher.
Durch Ganztages- und Hausaufgabenbetreuung der jüngeren Schüler sowie seine Tätigkeit als Schulsprecher der ganzen Ortenau stellte er in der zehnten Klasse auch sein soziales Engagement unter Beweis.
»Am meisten freut es mich, wenn die jüngeren Schüler zu mir kommen und sagen: So klug wie Du will ich auch werden«, bekennt der junge Mann stolz, dessen nächstes Etappenziel im Erreichen des Auto- und Motorradführerscheines besteht.
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