Das große Erdbeben miterlebt

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Freiwilliges Soziales Jahr: Maria Theresia Maier aus Kappelrodeck war ein Jahr lang in Chile

Ein Jahr fast ohne Regen und das große Erdbeben in Chile erlebte Maria Theresia Maier aus Kappelrodeck in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr. Jetzt ist sie zurück.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20676_1.jpgZwölf Monate im Ausland haben Maria Theresia Maier verändert »Ich staune über vieles, was hier selbstverständlich ist«, sagt die 20-Jährige: »Man sieht Grün, man hat keine vergitterten Fenster, dieser Luxus, in dem wir hier leben, das ist alles so unwirklich.«
»Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens«, davon ist sie überzeugt. Sie habe Spanisch gelernt und die Arbeit in einem Kindergarten im Armenviertel Renca am Rande von Santiago habe ihr viel Spaß gemacht. Trotz mehrerer Einbrüche in ihr Quartier und der gewaltigen Naturkatastrophe, die sie miterlebte, habe sie keine Angst gehabt. »Ich war dankbar, dass ich helfen konnte«, sagt sie.
Die junge Frau war die im August 2009 nach dem Abitur am Gymnasium Achern mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (»Weltwärts«) nach Chile gekommen. Ein Drittel der Kosten wurde von Privatpersonen, Stiftungen und Firmen aus der Region beigesteuert, worüber sie sehr dankbar ist. Frische Schwarzwaldluft tauschte sie bewusst gegen den Smog der Großstadt und den Blick auf die Hornisgrinde gegen einen Blick auf die Anden beim Anflug auf Chile.
Keine Heizung
Sie erlebte Gastfreundschaft und verbrachte Weihnachten in chilenischen Familien. »Es gab kitschig geschmückte Plastik-Tannen und Geschenke, aber bei 35 Grad kam keine Stimmung auf«, muss sie zugeben. Der Winter in Südamerika dagegen sei »richtig kalt« gewesen. »Da habe ich Pullis, Jacke und Strumpfhosen unter den Hosen getragen, weil es im Kindergarten keine Heizung gab«, berichtet die Kappelrodeckerin.
Als eines der größten je gemessenen Erdbeben der Welt über Chile hereinbrach, war staubtrockener Sommer in Südamerika

Am frühen Morgen des 27. Februar kamen mehrere hundert Menschen ums Leben, 500 000 Häuser wurden zerstört. »Ich war noch wach, weil wir eine Feier hatten und ich war im Freien. Alles wackelte so stark, dass ich Schwierigkeiten hatte, stehen zu bleiben. Das spanische Wort ›terremoto‹ (Erdbeben), das alle schrieen, kannte ich bis dahin gar nicht«, erinnert sich die Kapplerin. Die Lichter seien ausgegangen, Schränke im Haus seien umgefallen, Gegenstände von den Tischen gestürzt. »Wir hatten danach eine Woche lang keinen Strom, ein paar Tage kein Wasser und fast täglich mehrere Nachbeben – das war schon eine extreme Erfahrung.«
Doch nach Hause wollte Maria Theresia Maier nicht: »Ich wollte bleiben und ich wollte helfen.« Eine Hilfsorganisation gab ihr die Gelegenheit. Im Süden des Landes half die 20-Jährige beim Aufbau von Holzhäusern für Familien mit, die alles verloren hatten. Außerdem konnte sie mit Unterstützung von Thea Schmidt und ihrem Team aus dem Eine-Welt-Laden in Kappelrodeck und einer weiteren Spende einer armen Familie einen Herd kaufen und eine in finanzielle Not geratene Familie beim Bau eines Holzhauses unterstützen.
Unter den jungen Leuten, die von der Hilfsorganisation Amntena in das Projekt »Christo Vive« entsendet wurden, gab es keine Verletzten. Wohl aber mussten sie sich mit der Beschaffungskriminalität der oft spiel- oder drogensüchtigen Bewohner der Armenviertel auseinandersetzen. »Meinen Mitbewohnern wurden gleich in der ersten Nacht Kameras und ein Laptop geklaut. Ein anderes Mal waren unter anderem die Waschmaschine und der Abipulli weg«, berichtet Maria Theresia Maier. Das sei zwar schlimm gewesen, gehöre dort aber zur Normalität. Sie habe wesentlich mehr tolle Begegnungen und schöne Erlebnisse gehabt und viele Freundschaften mit chilenischen Familien geschlossen.
Studium in Würzburg
Eine Haarsträhne von Maria Theresia Maier ist mit bunter Wolle umwickelt und fällt ihr über die Schulter. Dieses Souvenir wird sie mit nach Würzburg nehmen, wo sie ab sofort »Soziale Arbeit« studiert.
Was von den in Chile geschlossenen Freundschaften bleibt, weiß sie noch nicht. Aber viele dort haben ihr vorausgesagt, dass sie irgendwann wieder kommen werde, erinnert sie sich und meint: »Das könnte tatsächlich sein ...«

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Bei der Arbeit in einem christlichen Kindergarten in Santiago hatte Maria Theresia Maier aus Kappelrodeck viel Spaß.

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Veröffentlicht in Kappelrodeck

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