Bürokratie macht auch vor Schäferberuf nicht halt

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Eberhard Hirths Herde beweidet den Renchdamm / Viel Zuspruch erfahren

Rund 400 Schafe grasen derzeit am Oberkircher Renchdamm. Doch ohne Aufpasser würde das Chaos ausbrechen. Schäfer Eberhard Hirth sorgt dafür, dass die Ordnung stimmt – und er erzählt von seinem selten gewordenen Beruf.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20017_1.jpgSeit Ende April ist Schäfer Eberhard Hirth mit rund 400 Schafen am
Renchdamm unterwegs. Viermal wird er bis zum Oktober die Strecke von Erlach bis nach Lautenbach mit seinen Schwarzkopf-, Merinoland- und Coburger Fuchsschafen zurücklegen Um den Staudenknöterich in seinem Wachstum einzudämmen, beauftragte ihn das Regierungspräsidium Freiburg, dass seine Tiere den Damm abgrasen (wir berichteten).
Unterstützt wird Hirth von seiner Freundin Carola Sigle und zwei Hunden. Wuschel, ein zweieinhalbjähriger Altdeutscher Hütehund, ist sozusagen noch in der Ausbildung. »Er braucht noch rund ein Jahr, bis er ohne Kommando die Schafe hütet. Diese Rasse kann auch mal zupacken. Bei Menschen macht er so was normalerweise aber nicht«, schmunzelte Hirth.
Mit Tonka, der Hündin von Carola Sigle, versucht Wuschel die Schafe auf der Wiese zusammenzuhalten. Respekt gegenüber den Hunden sei von seiten der Schafe sehr wichtig. Sonst würde das Chaos ausbrechen, so Hirth.
»Wenn zwei Schafe wegrennen würden, wären ganz schnell alle weg.« Und das sei hier an der Rench wegen der vielen Sonderkulturen ein Risiko. »Da kann schnell mal Schaden entstehen.«
Anspruchsvolle Aufgabe
Seit rund fünf Jahren wurde der Renchdamm nicht mehr von Schafen beweidet, nachdem der Schäfer aus Gengenbach aus Altersgründen aufhören musste. Diesen Platz hat nun Hirth eingenommen, der um die Schwierigkeit seiner Aufgabe weiß. »Der Damm ist schmal und die Wege stark mit Radfahrern und Spaziergängern frequentiert.« Er appelliert an alle Hundebesitzer, ihre Tiere nicht frei laufen zu lassen

Mehrmals unterbricht Eberhard Hirth an diesem Nachmittag das Interview mit lauten Rufen, da die Hunde Schwierigkeiten hatten, die Schafe ordnungsgemäß im Zaum zu halten. »Die merken, dass ich unaufmerksam bin, dann sind sie es auch«, erklärte er. Am meisten Spaß an seinem traditionellen Beruf macht ihm der Umgang mit seinen Schafen, der praktizierte Naturschutz und dass er sich als »freier Mensch« in der Natur bewegen kann, auch wenn es mal regnet.
Die Begeisterung der Leute gefällt dem Schäfer. »Die meisten sind unheimlich aufgeschlossen und freuen sich über die Schäfchen.« Weniger gern sieht er die zunehmende Bürokratie, die auch vor dem Schäferberuf nicht haltgemacht hat. »Der Aufwand und die Auflagen werden immer größer.« Dies sei auch der Grund, warum manch älterer Schäfer aufhöre. Aber Nachwuchssorgen sieht Hirth trotzdem nicht. »Es gibt noch genug, die mit Passion eine Schäferlehre machen wollen.«
Jeden Tag ist Hirth mit seinen Schafen von 8 bis 20 Uhr am Renchdamm unterwegs, eine kurze Mittagspause mit eingeschlossen. Wegen der erhöhten Hochwassergefahr an der Rench müssen die Tiere nachts vom Fluss weg untergebracht werden. Dazu stehen entweder Flächen vom Wasserwirtschaftsamt oder von Privatleuten zur Verfügung. »Die Unterstützung der Menschen ist richtig toll«, freut sich Hirth.
Alleine von der Schafzucht könne der Schäfer mit seinen wenigen Tieren aber nicht leben. Deshalb ist er froh, den Vertrag zur Renchpflege bekommen zu haben. Auch im Herbst und Winter ist Hirth mit seinen Schafen draußen und beweidet Flächen an der Acher und in der Kehler Region.

HINTERGRUND
Ein Schäfer mit Doktortitel
Eberhard Hirth hat keine traditionelle Schäferausbildung hinter sich gebracht, sondern zunächst an der Uni Hohenheim ein Studium zum Diplom-Agraringenieur, mit dem Schwerpunkt Tierzüchtung, abgeschlossen.
Danach promovierte der gebürtige Aalener für drei Jahre am Institut für Tierproduktionen in den Tropen und Subtropen im Norden der Elfenbeinküste über die Haltung von Schafen und Ziegen.
Wieder in Deutschland, begann der heute 52-Jährige mit Unterstützung des Europäischen Wildforschungsinstitutes in Saarbrücken und einer großen Jagdorganisation Biotopvernetzungskonzepte umzusetzen. Dabei verschlug es ihn 1992 nach Legelshurst, wo er ein ortenauweites Rebhuhn-Auswilderungsprojekt leitete.
Zwischenzeitlich war er Sprecher des Arbeitskreises Natur- und Umweltschutz des Ortenaukreises sowie Naturschutzbeauftragter im Raum Lahr und Friesenheim. In Legelshurst baute er sich zudem einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schafen und Ziegen auf.
Er ist Mitglied bei »Bioland« und schlachtet seine Tiere selbst. Nachdem er im Frühjahr seine Geflügelzucht nahezu eingestellt hat, will er sich zusammen mit seiner Freundin Carola Sigle, die unter der Woche am biologischen Institut an der Uni Freiburg arbeitet, hauptsächlich um seine Schafzucht kümmern.
Durch Zukauf vergrößerte er seinen Schafbestand um gut das Doppelte und kümmert sich seit Ende April um die Renchpflege

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20017_1.jpgDen Renchdamm nutzen Schäfer Eberhard Hirth und seine Freundin Carola Sigle derzeit als Weide für ihre Schafe.

 

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Veröffentlicht in Erlach

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