Bereitschaft zum Nachdenken gefragt

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Grimmelshausenpreis 2005: Renchener nutzen Ferien, sich mit Dieter Fortes Roman zu befassen

Dieter Fortes Roman »Auf der anderen Seite der Welt« stößt in Renchen auf Interesse. Das kürzlich mit dem Grimmelshausenpreis ausgezeichnete Werk ist für den einen und anderen sogar Urlaubslektüre.

 

»Bisher hatte ich leider noch keine Zeit«, sagt Doris Schlecht zur Frage, ob sie denn schon Dieter Fortes Roman »Auf der anderen Seite der Welt« gelesen habe Und auch in den nächsten Wochen bleibt für das mit dem Grimmelshausenpreis 2005 ausgezeichnete Werk kein Platz im Leben der Vorsitzenden des Grimmelshausen-Spielkreises: »Ich fahr jetzt in Urlaub und nimm leichtere Lektüre mit«, sagt sie, schmunzelt und gesteht dann aber doch: »Ich bin schon neugierig und werde den Roman später daheim in der Hängematte auf dem Balkon lesen.«
Schlecht ist in guter Gesellschaft. Auch die Renchener Kindergartenleiterin Beate Kuhn-Nepita (»Finde ich interessant, vielleicht lese ich’s jetzt im Urlaub.«) und Pfarrerin Dagny von der Goltz winken mit »noch nicht gelesen« ab.
»Klingt aber spannend«, sagt dennoch Letztere, »vom Thema her bietet der Roman Berührungspunkte mit meinem Beruf.« Als Urlaubslektüre kommt »Auf der anderen Seite der Welt« für die Pfarrerin aber vorerst nicht in Frage: »Ich lese gerade die Narnia-Geschichten von CS Lewis.«
Interessante Lektüre
Immerhin das Buch schon in der Hand hatte Jürgen Lüpke, wenn auch nicht gekauft. »Wie ich Zeit habe, werde ich es aber auf jeden Fall lesen«, versichert der Rektor der Erlacher Aurainschule

 

Sein Kollege von der Grimmelshausenschule Renchen, Ludwig Huber, hat sich das Buch für die Ferien vorgenommen: »Ich hoffe, dass es eine interessante Ferienlektüre wird.« Rektor Huber hat auch in den vergangenen Jahren die Werke der Preisträger gelesen: »Wenn man zur Preisverleihung geht, sollte man etwas verstehen von dem Werk oder zumindest einen Blick hineingeworfen haben.«
»Ich war in den letzten Wochen pausenlos unterwegs, will aber mit Dieter Fortes preisgekrönten Roman in den nächsten Tagen beginnen«, sagt Landrat Klaus Brodbeck, Vorsitzender der Grimmelshausenfreunde Renchen. »‘Auf der anderen Seite der Welt’ hat in der Fachwelt hervorragende Kritiken bekommen. Ein Rezensent hat es sogar als das derzeit beste deutsche Buch bezeichnet. Dies spricht dafür, es zum Urlaubsgepäck zu nehmen«, so Brodbeck.
Und einer der Befragten hat schließlich den ausgezeichneten Roman auch schon gelesen: Bürgermeister Bernd Siefermann, der sich begeistert zeigt: »Mir hat das Buch gut gefallen und ich bin froh, dass es die Jury ebenfalls so gesehen hat.« Wenngleich es ihn nachdenklich gestimmt habe: »Es handelt von Leben und Tod, die für mich untrennbar zusammengehören. Es ist wichtig und notwendig, sich mit dem Tod zu beschäftigen«, so der Schultes, der »Gedanken zum Abschiednehmen« in Fortes Roman fand. Dennoch sei es ein lebensbejahendes Buch, das den Sieg der Poesie über den Tod ausdrücke. Ist das die geeignete Urlaubslektüre? »Nur wenn man bereit ist, über Dinge, die nicht alltäglich sind, intensiv nachzudenken. Es ist kein Buch, dass ich zur Unterhaltung empfehlen kann«, verweist Siefermann.
Kein großes Lager
Immerhin 25 Exemplare des mit dem Grimmelshausenpreis ausgezeichneten Werkes hat die Grimmelshausenbuchhandlung in Oberkirch seit dessen Erscheinen im vergangenen Herbst verkauft. Ein großes Lager hat man sich nach dem Juryentscheid allerdings nicht zugelegt. »Das Buch kann im Normalfall von einem auf den anderen Tag bestellt werden«, erklärt Sabine Klett.

Inhalt des Romans
Deutschland, in den fünfziger Jahren: Ein junger Mann reist mit Zug und Schiff in ein Sanatorium auf einer entlegenen Nordseeinsel. Er ist lungenkrank, jeder Tag kann der letzte sein. Während das Land sich blind für die Vergangenheit dem Wiederaufbau und Wirtschaftswunder hingibt, scheint in der zauberbergartigen Isolation der Heilanstalt die Zeit abgeschafft.
Umgeben von den steten Naturgewalten, geht es für die Bewohner des Sanatoriums »auf der anderen Seite der Welt« nur um Leben und Tod – und um ein erinnerndes Erzählen, das nicht enden darf.

 

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Veröffentlicht in Erlach

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