Achern ist eben nicht New York
Das Stolzer Parkhaus rechnet sich in der Hornisgrindestadt nicht, soll aber ein Exportschlager werden
Es wurde gebaut, um die Machbarkeit einer neuen Technologie unter Beweis zu stellen: das Stolzer Parkhaus in der Acherner Martinstraße. Zum wirtschaftlichen Erfolg wurde das Projekt für die Firma Stopa in Gamshurst nicht.
Von Seniorchef Paul Stolzer (heute 85) vorangetrieben, fristet das erste automatische Parkhaus weit und breit seit drei Jahren ein einsames Dasein inmitten von 120 kostenlosen Parkplätzen. 100 Autos könnten hier automatisch von einem hochmodernen Regalbediensystem geparkt werden Doch tatsächlich sind es gegenwärtig nur 24 Dauerparker, die einen Platz gemietet haben. Fünf- bis sechsmal am Tag rollt ein Kurzzeitparker in die gelben Schleusen.
»Wenn man es im Nachhinein betrachtet, war und ist Achern nicht gerade der ideale Standort für dieses Parkhaus«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Stopa, Wolfgang Kienzler auf Anfrage der ARZ. Er gibt sich keinen Illusionen hin: »In Achern wird sich das automatische Parkhaus nicht rechnen.« Solange im Umfeld genug Parkraum vorhanden sei und die Stadt Achern dafür keine Gebühren erhebe, lasse sich daran nichts ändern.
Aktive Vermarktung
Das heißt aber nicht, dass das Thema automatisches Parken bei Stopa passé ist. Ein neuer, zweisprachiger Internetauftritt unter www.stolzer.com und neue Prospekte zeugen davon, dass die Technologie aktiv vermarktet wird.
Drei aktuelle Aufträge aus den USA und drei weitere aus Spanien sind für Wolfgang Kienzler ein Zeichen dafür, dass der Markt wächst und dass sich solche Objekte in urbanen Zentren auch für die Betreiber amortisiert. »Die neuesten Projekte sind sehr interessant. Wir werden damit Geld verdienen«, meint er
Nachdem die Kooperation mit einem Partner in diesem Bereich 2005 beendet worden war, vertreibt man nun in Gamshurst die automatischen Parksysteme, mit denen man schon jahrzehntelange Erfahrung hat, durch die Stolzer Parkhaus GmbH & Co. KG selbst. Entwickelt und gebaut wurden und werden sie von der Mutterfirma Stopa Anlagenbau GmbH & Co. KG. Deren Standbeine sind – neben automatischen Parksystemen – industrielle Lagersysteme sowie der Maschinen- und Stahlbau.
»Der Geschäftsbereich automatisches Parken kann für uns einige Millionen Euro Mehrumsatz pro Jahr bedeuten. Ziel ist es, dass der Geschäftsbereich vom derzeit kleinsten zum zweitgrößten heranwächst«, so Kienzler.
28 Dollar am Tag
Das glaubt er, weil immer mehr Menschen in die Städte ziehen und dort mehr Parkraum benötigt wird: »In New York kostet ein Parkplatz pro Tag bis zu 28 Dollar. Da wird das platzsparende Parken in automatischen Parkhäusern für Investoren interessant.« Auch ohne solche horrenden Parkgebühren rentiere sich ein automatisches Parkhaus an vielen Orten, weil es den Raum optimal ausnutze und geringere Gebäude- und Unterhaltungskosten zu Buche schlagen, so Wolfgang Kienzler.
Jetzt werde man neben den internationalen Märkten auch den deutschen Markt verstärkt beackern, erklärt er. Dazu habe man Kontakt zu Städteplanern und Architekten aufgenommen. Ein »unerwartet nahe liegender« Erfolg sei, dass ein Investor gerade prüfe, ob sich ein unterirdisches Stolzer Parkhaus im Vergleich zu einer herkömmlichen Tiefgarage für ein Projekt in Offenburg rechnet.
STICHWORT
Geschäftsentwicklung bei Stopa
Die Stopa Anlagenbau GmbH & Co. KG in Gamshurst beschäftigt derzeit 167 Mitarbeiter, darunter 23 Auszubildende. 2008 waren es noch 197 Mitarbeiter. Die Wirtschaftskrise traf das Traditionsunternehmen 2009, als der Auftragseingang massiv einbrach. Neben Kurzarbeit und dem Verzicht auf Leiharbeiter blieb in der Folge die Reduzierung der Arbeitsplätze nicht aus.
Dennoch gelang es Stopa, auch 2009 schwarze Zahlen zu schreiben. Doch die Krise ist noch nicht überwunden. Weil ein Hauptkunde, für den die Stopa als strategischer Zulieferer von Lagersystemen fungiert, selbst unter massiven Umsatzeinbußen litt, und ein weiterer Kunde seine Produktion verlagert hat, wird bei Stopa teilweise immer noch kurz gearbeitet.
2011 soll wieder ein dickeres Auftragspolster da sein, damit die Mitarbeiter wieder voll beschäftigt werden können.
Kein wirtschaftlicher Erfolg für die Firma Stopa aus Gamshurst ist das Stolzer Parkhaus in Achern.
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