Zwei Gewässer, 19 Maßnahmen
Die schlechte Qualität von Acher und Mühlbach soll schon bis 2015 deutlich verbessert werden
Es müssen einige Dinge passieren an der Acher und am Mühlbach. Das wurde am Donnerstagabend im Bürgersaal des Acherner Rathauses deutlich.
Beide Gewässer, Acher und Mühlbach, haben die Messlatte der Wasserrahmenrichtlinie und des Deutschen Wassergesetzes gerissen. Ihr Gütezustand soll sich spätestens bis zur neuen Prüfung durch das Land Baden-Württemberg 2015 deutlich verbessern
Rund 60 Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Freiburg. Ute Schneider-Ritter von der Abteilung Umwelt lobte die breite Beteiligung und das Interesse der zahlreichen Vertreter von Behörden und Gemeinden, der Betreiber von Wasserkraftanlagen, den Vertretern des Naturschutzes und vieler anderer: »Es ist toll, dass die Öffentlichkeit so mitmacht.«
Gar nicht toll waren dagegen die Ergebnisse, die der Biologe Karl Wurm und das Ingenieurbüro Wald + Corbe ermittelt hatten. Die Acher ist schon im Achertal kein lupenreiner Gebirgsbach mehr und bekommt in ihrem Verlauf immer mehr Probleme: zu viel Schluff und Sand, zu viele organische Stoffe, zu wenig Wasser in der Acher und anderes mehr wurden festgestellt.
Scharfkantiges Material
»Wir müssen schon im Oberlauf die Belastung reduzieren«, sagte Gewässerökologe Karl Wurm, der eineinhalb Jahre lang mehrmals 23 Messstellen in Acher, Mühlbach und Pelzbach besucht hatte.
Das feine, scharfkantige Material aus den Steinbrüchen sei ein unterschätzter Faktor, sagte Naturschützer Christoph Münch aus Oberkirch und bekam von den Experten Recht. Diese Verunreinigung lagere sich nicht nur großflächig ab, wenn die Flüsse in der Ebene angekommen sind, sondern schädigen auch die Kiemen und Schleimhäute der Fische. Dies sei »schon lange bekannt und es geschieht nichts«, beklagte Münch. »Jetzt passiert was
Das ist heute die eindeutige Botschaft«, entgegnete ihm Bernd Serr vom RP. Die Beseitigung dieser Beeinträchtigung steht an erster Stelle der 19 Maßnahmen, die die Umweltbehörde festgelegt hat.
Der Anschluss von weiteren Häusern an die Kanalisation und der Ausbau der privaten Kleinkläranlagen wird für ebenso wichtig gehalten. In Kappelrodeck und Ottenhöfen müssen die Regenüberlaufbecken überprüft werden. Die Stadt Achern soll schnellstmöglich ein bereits genehmigtes Regenüberlaufbecken in Fautenbach bauen und ihre Systeme zur Trennung von Regen- und Brauchwasser überprüfen. Auch der Abwasserzweckverband Schwarzwasser hat eine Reihe von Hausaufgaben zu erledigen. Relativ gut ist die Reinigungsleistung der Klärwerke, die in Acher und Mühlbach einleiten.
Maßvolle Regelung
Ganz wichtig ist nach Ansicht der Gutachter die Festsetzung einer ausreichenden Mindestwassermenge in der Acher nach der Ausleitung des Mühlbachs in Oberachern – möglichst bis 2012. Hier plädierte ein Vertreter der Deichbaugenossenschaft für eine maßvolle Regelung, um die Wasserkraftanlagen am Mühlbach nicht in ihrem Bestand zu gefährden. Peter Huber, Stadtrat aus Achern, sprach von einer »ganz starken Asymmetrie« bei den bisher gefundenen Kompromissen. Es sei eine wichtige Frage, wie viel Wasser man dem Gewässer zugestehe, das der Stadt ihren Namen gibt. Ein Bürger bekräftigte dies noch: »Es kann nicht sein,
STICHWORT
Internet-Infos
Die gesamten Untersuchungsergebnisse zu Acher und Mühlbach und alle Maßnahmen sind unter www.rp-freiburg.de nachzulesen. Nach einem Klick auf »EU-konkret« wählt man »EU-Wasserrahmenrichtlinie« und dann das Teilbearbeitungsgebiet mit der Bezeichnung TBG33.
Das Gutachten über die Güte von Acher und Mühlbach wurde vorgestellt, von links Christoph Müller, Ute Schneider-Ritter, Naturschützer Christoph Münch aus Oberkirch und Bernd Serr.
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