Werkrealschule mit Renchen kommt nicht
Acherner Gemeinderat will die derzeitige Schullandschaft erst reifen lassen
Dutzende Zuschauer waren am Montagabend Zeugen, als der Acherner Gemeinderat das Für und Wider einer Werkrealschule Fautenbach/Önsbach/Renchen diskutierte. Das Ergebnis: Sie kommt nicht. Erst will die Stadt die Entwicklung der jetzigen Strukturen beobachten und Fakten sammeln.
Wie weitreichend die Entscheidung des Acherner Gemeinderats über eine Werkrealschule Fautenbach/Önsbach/Renchen war, konnte an den vielen Zuschauern abgelesen werden. In der Bürgerfragestunde drehte sich bereits alles um dieses Thema Die Essenz der Beiträge: Die Eltern wünschen, umfassend informiert zu werden, und möchten das Beste für ihre Kinder.
In der Debatte war relativ bald der Wille der Räte herauszuhören, die Werkrealschule »nicht im Hauruckverfahren durchzupeitschen« (Edgar Gleiß, FW). CDU und Bürgerforum waren in ihren ersten Stellungnahmen (siehe Bericht unten) zwar für die Einführung der Werkrealschule, konnten dann aber auch mit einer Zurückstellung leben.
Meinungsumschwung
So sagte Christine Rösch (CDU) am Ende der Debatte: »Wir sind uns sicher, dass die Werkrealschule wichtig ist, sind aber bereit, zeitlich den Druck herauszunehmen.« Über den Meinungsumschwung der CDU mokierten sich Thomas Kohler (FW, »Das zeigt, wie schwach Ihr Konzept ist«) und Manfred Nock (ABL, »Sie haben jetzt zweieinhalb Mal Ihre Meinung geändert«).
Mit der Mehrheit von FW, ABL und SPD wurde mit 13:11 Stimmen (bei einer Enthaltung) dem Vorschlag von Edgar Gleiß gefolgt, eineinhalb Jahre verstreichen zu lassen und in dieser Zeit ein schlüssiges Schulkonzept zu erstellen. Auch sollen Bürgerinfo-Abende stattfinden. Das hatte auch Bernhard Keller (CDU) gefordert, er wollte aber wie das Bürgerforum bereits im April 2011 zum nächst möglichen Termin zur Antragstellung wieder diskutieren
OB Muttach, der sowohl Unterschriftenlisten für die Werkrealschule aus Önsbach/Fautenbach als auch dagegen (aus Achern und Oberachern) erhalten hatte, sagte, dass die Acherner Schullandschaft erst im November neu geordnet worden sei. Er schilderte, dass noch keine konkreten Schülerzahlen vorliegen, die nötige Zweizügigkeit der Werkrealschule sei sehr unsicher.
Gefahr für Fautenbach
Die Schülerbeförderung sei noch nicht endgültig geklärt, auch hätten die Ortschaftsräte die Thematik noch überhaupt nicht behandelt. Zudem müsste der Schulbezirk für Fautenbach, Gamshurst, Önsbach und Wagshurst aufgehoben werden. Muttach sah auch die Gefahr, dass die Fautenbacher Schule vielleicht irgendwann dichtgemacht werden muss und die Klassen 5 bis 7 nur in Renchen unterrichtet werden.
REAKTION
»Sind enttäuscht«
Hein Schäfer, Bürgermeister-Stellvertreter in Renchen, sagt zum Beschluss des Gemeinderats Achern:
»Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir doch einige Hoffnungen hatten. Dass die Geschichte für die Kollegen in Achern nicht ganz einfach war, ist auch verständlich. Wir haben viele Schüler aus Önsbach und Wagshurst, die unsere Realschule besuchen. Eine gemeinsame Werkrealschule war auch der Wunsch vieler Eltern und wir hatten das mit Freude vernommen. Aber vielleicht ist das Kapitel noch nicht ganz zugeschlagen. Ich denke, aufgeschoben ist noch nicht aufgehoben. Ich hoffe jedenfalls, dass es vielleicht doch noch zu einem guten Ende kommt.«
STICHWORT
Nicht glücklich
OB Klaus Muttach musste am Montag aus der Stellungnahme von Christine Rösch (CDU) erfahren, dass die Schulkonferenz der Grund- und Hauptschule Fautenbach/Önsbach getagt und sich für die Werkrealschule ausgesprochen habe. Das missfiel Muttach sichtlich. Er hätte sich von Noch-Schulleiter Wolfgang Flegel in dieser Thematik mehr Kommunikation gewünscht – auch wenn laut Gerhard Weber (ABL) die Kommune über Schulkonferenzen nicht zwingend informiert werden muss.
Nicht glücklich, so Muttach zur ARZ, sei auch Flegels Aufforderung an die Eltern gewesen, die Gemeinderatssitzung zu besuchen, »um Druck auszuüben«. Muttach: »Ich denke nicht, dass eine Druckkulisse die beste Entscheidungsgrundlage ist.« Der OB will sich zu dem Geschehen noch seine Gedanken machen.
Um sie geht es: die Schüler (das Foto entstand gestern in der zweiten großen Pause in Fautenbach). Es bleibt fürs erste dabei, dass es in Achern nur eine Werkrealschule gibt.
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