Viel Pop, wenig Weihnachten
Die Interpretation des Wittener Kindertheaters von »Pippi plündert den Weihnachtsbaum« war eigen
Tohuwabohu im Josefshaus. »Pippi plündert den Weihnachtsbaum« und die Kinder lachen sich einen Ast dabei. Das Wittener Kinder- und Jugendtheaters gastierte in zwei ausverkauften Vorstellungen beim Acherner gong-Programm.
Einen Weihnachtsbaum auf den Kopf tragen, eimerweise Schokolade trinken und Popcorn aus allen Rohren schießen, so stellt sich Pippi Weihnachten vor. Bis es so weit ist, sprich der Lichterbaum im Wohnzimmer geplündert wird, passiert noch so einiges
Das Bühnenbild zeigt die Villa Kunterbunt mit Terrasse und Gartenzaun. Damit endet leider schon die Ähnlichkeit mit der Buchvorlage. Die Wittener erfanden einen neuen Handlungsrahmen, der zeitweise mit Weihnachten nur wenig zu tun hatte. Musikalisch zeigte die Regisseurin Martina Karthage eine besondere Vorliebe für englische Poptitel, deren Anspielungen von den Kindern leider nicht verstanden werden konnten.
Als Schlagersternchen
So flattert am Anfang zu John Lennons »Imagine« ein Engel mit seiner Mutter durch das Bild, ohne später noch einmal aufzutauchen. Dass der Vorsatz von Frau Prysselius (Mirka Riemer) scheitert, Pippi an Adoptiveltern zu vermitteln, wird zum Anlass genommen, zu Cyndi Laupers »Girls just wanna have fun« herumzutollen und den Auftritt eines Schlagersternchens zu imitieren. Später wird noch als Begleitmusik eine Version von Leonard Cohens »Hallelujah« geboten, obwohl auch hier ein live gesungener Titel der Produktion besser zu Gesicht gestanden hätte.
Dass zum Auftritt einer äußerst freigiebigen Bonbonverkäuferin, die ihre wunderschön präsentierte Ware gleich gebindeweise verschenkte, Django Reinhardts »Nuage« ertönte, machte immerhin noch rhythmisch Sinn. Als Lichtblick erwies sich eine eigene Version der »Jingle Bells«, die mit »Schlitten Schnell« einen neuen Text erhielt.
Tim Wensien, dem die Kostümbildnerin einen Hippielook verpasste, hatte eine Paraderolle als Spekulant. Sein Versuch, die Villa Kunterbunt zu kaufen, um daraus ein Einkaufscenter oder einen Teppichmarkt zu machen, entwickelte sich zu einer lustigen »Hasch-mich«-Aktion.
Lustig war es allemal
Klar, lustig war es allemal, was Pippi (Stefanie Hendrickx), Annika (Monika Sobetzko), Tomy (Tim Wensien) und die vielbeschäftigte Mirka Riemer (Prysselius, Bonbonfrau, Engelsdame, Modedame, Lina) auf der Bühne boten. Da wurde gerannt, wild herum gezappelt, Streiche gespielt, und jede Menge Blödsinn gemacht. Beim Atemholen erzählte Pippi Geschichten vom Taka Tuka Land, dass sich die Balken bogen.
So verwundert auch manche Eltern das kuriose Schauspiel betrachteten, den Kindern hat die mit dem Singen der »Stillen Nacht« endende Slapstick-Komödie sehr gut gefallen. Hunderte drängten am Ende zur Bühne, um ihrer Pippi und den anderen Schauspielern begeistert die Hand zu schütteln.
Das Wittener Kinder- und Jugendtheater wandelte am Dienstag die Geschichte von Pippi Langstrumpf und dem Weihnachtsbaum nicht nur zum Vorteil um.
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