Nicht jedes Kind erhält ein Essen
Neu organisierte Betreuung in den Acherner Kindertagesstätten hat nicht nur positive Effekte
Auf einmal biss sie auf Granit: Eine Mutter aus Oberachern kann nicht einsehen, dass ihre Tochter im Kinderhaus im Rollerbau nicht mehr bei Bedarf ein warmes Mittagessen bekommt. Indirekt ist dies eine Auswirkung der Neuorganisation der Betreuung in den Acherner Kindertagesstätten.
»Mama, warum bekomme ich kein Essen?«, fragt die Fünfjährige. »Im letzten Kindergartenjahr hat es noch funktioniert«, weiß ihre Mama. Wenn sie länger unterwegs war oder gearbeitet hat, konnte sie für ihre Tochter ein Mittagessen bestellen. Seit dem neuen Kindergartenjahr werde ihr das verweigert Weil die Tochter nicht zur Ganztagsbetreuung angemeldet sei, sondern nur zur verlängerten Vormittagsbetreuung, sei die Absage begründet worden.
Das Kind könne am Essen teilnehmen, solle dabei aber ein mitgebrachtes Vesperbrot verzehren. »Ich zahle für eine Betreuung von 7 bis 13.30 Uhr«, so die betroffene Mutter von drei Kindern: »Ist das so schwer, dem Kind ein warmes Essen zu geben?« Es sei nicht mehr möglich, auch nicht an einem oder zwei festen Tagen pro Woche, bekam sie zu hören.
»Diese Betreuungsform gibt es mit oder ohne Mittagessen«, stellt dazu die Leiterin der Kindertagesstätte im Rollerbau, Claudia Klefenz, fest. Es mal so und mal so zu machen, sei immer schon unüblich gewesen.
Kein Platz mehr frei
Seit der Neustrukturierung durch die Stadt Achern (wir berichteten) sei mehr Verbindlichkeit nötig. »Nicht jeder individuelle Wunsch kann erfüllt werden«, sagt die Leiterin. Einige Eltern reagierten darauf, in dem sie einen halben Ganztagesplatz für ihr Kind anmeldeten. So sei es möglich, dass ein Kind an diesen bestimmten Tagen ein warmes Essen bekomme. Allerdings seien derzeit alle Ganztagesplätze im Rollerbau belegt.
Wie in allen Kindertageseinrichtungen in Achern sei jetzt auch hier genau festgelegt, wie viele Plätze es für jede Betreuungsform gebe. Die Bestandsaufnahme des Trägers habe in ihrem Haus zu Einschränkungen geführt
Der Rollerbau müsse mit einer Anerkennungspraktikantin weniger auskommen. Früher habe man mit Extra-Mittagessen etwas großzügiger umgehen können, weil es im Haus eine andere Gruppenstruktur gab, so Klefenz. Seitdem nur noch vier Hortkinder aus der Schule zum Mittagessen kommen, habe sich das geändert. »Wir hatten bis zu 30 Hortkinder. Jetzt läuft diese Betreuungsform aus«, erklärt die Leiterin. Über die Mittagszeit sei weniger Personal da.
Doch flexibel?
Dass die Flexibilität bei der Betreuung mit Mittagessen nachgelassen hat, kann man im Acherner Rathaus nicht bestätigen. Nach wie vor gebe es die Möglichkeit, in begründeten Ausnahmefällen eine Ganztagsbetreuung zu bekommen. Als Beispiel führt Helga Sauer von der Stadtverwaltung einen Arztbesuch an. Die Art der Betreuungsgruppen sei für das ganze Kindergartenjahr festgelegt. Soweit möglich wolle man bei begründetem Wunsch aber auch im laufenden Jahr einen Wechsel der Betreuungsform ermöglichen.
Das hilft der betroffenen Mutter nicht, denn sie möchte gar nicht auf eine Ganztagsbetreuung umsteigen. Ihr Briefwechsel mit Oberbürgermeister Klaus Muttach in dieser Sache sei für sie unbefriedigend ausgefallen. Als Vorschlag zur Güte habe man ihr nun angeboten, an festen Tagen ein Mittagessen für ihre Tochter zu bekommen – allerdings nur dann, wenn sie nachweisen könne, dass sie an diesen Tagen arbeiten gehe.
Das Kinderhaus im Rollerbau hat seit der Umstrukturierung durch die Stadt Achern eine Anerkennungspraktikantin weniger. Es kann nicht mehr jeden individuellen Betreuungswunsch berücksichtigen.
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