Krankheiten knacken die Nüsse

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Bekämpfung ist schwierig / Früchte bleiben oft klein / Erntemenge fällt dieses Jahr geringer aus

Eigentlich sind sie dank ihrer harten Schale bestens geschützt, doch ungünstiger Witterung und Bakterien waren viele heimische Walnüsse schutzlos ausgeliefert. Dies zeigt sich gerade jetzt zur Erntezeit.

 

Seit rund drei Wochen läuft das Sammeln der ausgereiften Walnüsse in der Region auf Hochtouren. Doch mancher Liebhaber der harten Frucht wird sich dabei schon gewundert haben Die herabgefallenen Nüsse sind oft kleiner als in anderen Jahren, manche stecken noch in ihrer inzwischen schwarzen Schale, sind dunkel und unansehnlich, selbst das Innere ist teils von Schimmel befallen.
Bakterien und Fliegen
Für Hans-Dieter Beuschlein, überregionaler Pflanzenschutzberater beim Ortenauer Landratsamt, gibt es dafür mehrere Gründe. Begonnen hat die ungünstige Entwicklung bereits mit der kühlen und nassen Witterung im Mai. Zudem plagt verstärkter Bakterienbrand die heimische Nusspopulation und als dritte Belastung kommt noch die Walnussfruchtfliege dazu. Sie legt ab Mitte/Ende Juli ihre Eier in die grüne Schale, die von den schlüpfenden Maden angefressen werden. »Die Nüsse sind dann schwarz angefärbt, lassen sich nicht mehr säubern und nicht mehr verkaufen«, erzählt Hans-Dieter Beuschlein von seinen Erfahrungen.
Ebenfalls deutliche Zeichen an der Schale, aber auch an den Blättern hinterlässt die Krankheit Marssonina. Sie wird durch einen Pilz verursacht, der vor allem in niederschlagsreichen Sommern zu stärkeren Schäden führen kann.
Es sind also viele Übel, die der Walnuss zusetzen und die oft nur schwer zu bekämpfen sind. So könne der Obstgroßmarkt Oberkirch für seine Mitglieder auf Wunsch eine einzelbetriebliche Genehmigung für den Einsatz des Mittels Calypso beantragen, was in der Praxis aufgrund der sehr hohen Bäume jedoch schwierig ist, so Beuschlein: »Man muss halt erst mal hochkommen.«
Eher eine untergeordnete Rolle spielt die Vermarktung beim Obstgroßmarkt Oberkirch (OGM)

Wurden in der Saison 2009 noch über sechs Tonnen angeliefert, sind es jetzt Mitte der Haupterntezeit, die Ende Oktober endet, gerade mal drei. »Das ist gar nichts«, stellt Geschäftsführer Raphael Sackmann fest. Daraus lasse sich jetzt schon ableiten, dass die Gesamtmenge 2010 geringer ausfalle, außerdem »sind sie klein dieses Jahr«, beobachtete der Obstexperte.
Größe zahlt sich aus
Mindestens 28 Millimeter müsse eine vermarktungsfährige Walnuss an Größe vorweisen, während sich Exemplare um die 35 mm schon fast als Edelnuss bezeichnen dürfen und dem Anlieferer mit rund vier Euro pro Kilogramm bezhalt werden.
Doch je kleiner die Nüsse sind, desto geringer fällt der Verdienst aus. So wird die »Normalware« mit 2,50 bis 3 Euro bezahlt. Sie kostet dann den Endverbraucher mit Fracht, Verpackung und Steuer um die fünf Euro, heißt es aus dem OGM.
Vermarktet werden die harten Früchte meist im sogenannten Detailhandel, d.h. sie landen schließlich in Hofläden, bei kleineren Einzelhändlern, auf den heimischen Wochenmärkten, aber auch auf den Großmärkten wie Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe. »Das läuft so bei uns mit, die Nüsse sind bei uns kein starker Artikel«, informiert Sackmann, dessen Mitarbeiter am 21. September die ersten Nüsse angenommen haben. Diese stammen meist von OGM-Mitgliedern, welche die Nüsse für den Eigenbedarf haben und den Rest vermarkten. Größere Erzeuger gibt es zwar auch, aber nicht viele.

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