Illenau-Film ist nicht abgehakt
Regisseur Marcus Vetter hat weiterhin Interesse / Derzeit steht aber ein anderes Projekt im Vordergrund
Vor fünf Jahren hatte Regisseur Marcus Vetter großes Interesse daran, in der Illenau zu drehen. Sein Filmprojekt kam auf Grund fehlender Fördergelder leider erst einmal nicht zustande. Marcus Vetter will aber einen zweiten Anlauf starten.
»Die Illenau soll zur Filmkulisse werden«, so hieß die Überschrift des lokalen Aufmachers am Freitag, 25. November 2005, im Acherner Lokalteil Der Tübinger Regisseur Marcus Vetter hatte ein Filmprojekt vorbereitet, das sich mit der Euthanasie beschäftigt, mit dem Thema, das das Ende der Illenau als Heilanstalt bedeutete. Fast 300 Patienten der Illenau wurden im Jahr 1940 abtransportiert und von den Nazis umgebracht.
Vor historischer Kulisse hätte Marcus Vetter das Thema gerne in einem Spielfilm aufgearbeitet. »Die Schwäne« lautet bislang der Titel für das Projekt, das aber noch nicht zustande kam. Marcus Vetter mühte sich 2006 um Fördergelder. Doch seine Bemühungen waren nicht erfolgreich. »Beim zweiten Mal klappt es normalerweise besser«, strahlt der Regisseur weiterhin Optimismus aus. Aber erst frühestens ab Juni kann er sich wieder diesem Projekt widmen. Und natürlich muss er dann unbedingt nach Achern kommen, um zu schauen, ob in der Illenau überhaupt noch gedreht werden kann. Als Marcus Vetter 2005/06 in der Hornisgrindestadt war, begannen erst die Arbeiten an der Illenau. Inzwischen wird der Nordtrakt für Wohnungen genutzt, die Arbeiten am Kulturforum sind fortgeschritten, das Technische Rathaus ist bereits in die Illenau gezogen und auch der Südwestflügel wird für die Stadtverwaltung umgebaut. Zudem hat sich die Außenanlage verändert.
Es gibt immer noch Teile, die nicht saniert wurden. Aber es heißt es ja nicht automatisch, dass renovierte Gebäudeteile nicht als Filmkulisse dienen könnten. Alles das müsste Marcus Vetter aber erst vor Ort abklären, wie er auf Anfrage der Acher-Rench-Zeitung meinte. Erst im Frühjahr diente die Illenau als Kulisse für Szenen der beliebten Familienserie »Die Fallers«. Allerdings hätten die Aufnahmen für »Die Schwäne« andere Dimensionen. Wenn er sich dem »Schwäne«-Projekt wieder widmen will, muss Marcus Vetter organisatorisch nochmals alles »ganz neu aufrollen«, wie er der ARZ erklärte. Das betrifft die Örtlichkeiten ebenso wie die Besetzung der Rollen.
Filmpreis erhalten
Derzeit hält allerdings ein anderes Projekt den Regisseur (noch) in Atem. Für den vielbeachteten Film »Das Herz von Jenin« erhielt Marcus Vetter den Deutschen Filmpreis. Bei dem Projekt geht es um den Konflikt im Nahen Osten und
das Hoffen auf den Frieden. Der Film dreht sich um Ismael Khatib, einen Palästinenser, dessen elfjähriger Sohn durch israelische Soldaten erschossen wurde. Der Vater spendete die Organe seines hirntoten Sohnes den Feinden des palästinesischen Volkes, nämlich an fünf israelische Kinder.
Seitdem ist in Jenin, dem Wohnort von Ismael Khatib im Westjordanland, nichts mehr so, wie es war. »Schauen Sie mal auf der Internetseite www.cinemajenin.org nach«, empfiehlt der Regisseur. Denn bei den Dreharbeiten zu dem Film entdeckte der Tübinger das »Cinema Jenin«, ein Kino, das bei dem ersten Aufstand, der so genannten Intifada, geschlossen wurde. Das Auswärtige Amt in Berlin beteiligte sich mit 325 000 Euro an dem Projekt. Und mit Unterstützung vieler anderer Sponsoren entsteht seit zwei Jahren in Jenin ein Kulturzentrum.
Zur Person
Marcus Vetter
Marcus Vetter (Jahrgang 1967) aus Tübingen ist ein preisgekrönter deutscher Dokumenarfilmer.
Seine autobiografische Filmdokumentation »Mein Vater, der Türke« (2006) bekam den Prix Europa für Dokumentarfilme. Im Juni 2007 kam sein zusammen mit Stefan Tolz gedrehter Dokumentarfilm »Traders’ Dreams« (über das Phänomen eBay) in die deutschen Kinos. Vetters Kinodokumentarfilm »Das Herz von Jenin« erhielt den Deutschen Filmpreis 2010 als bester Dokumentarfilm. Nach der Fertigstellung gründete Marcus Vetter den gemeinnützigen Verein Cinema Jenin. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, das seit 1987 geschlossene Kino in Jenin im Westjordanland wieder aufzubauen.
Die Illenau als Filmkulisse: Auch Szenen für die Fallers wurden schon in den historischen Gebäuden gedreht.
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