Gerangel um den Tierschutz
Lange sträubten sich die Gemeinden, mehr für den Tierschutz auszugeben / Jetzt wird neu verhandelt
Für den Tierschutz in Achern und Umgebung steht im kommenden Jahr viel auf dem Spiel. Die Gemeinderäte müssen entscheiden, wie sie die Versorgung von Fundtieren in Zukunft finanzieren. Die ARZ widmet sich dem Thema mit einer Sonderseite.
Tiere haben keine Lobby, heißt es oft. In Achern ist das anders. Hier macht sich Frédérique Weiss vom Tierschutzverein seit über einem Jahr dafür stark, mehr Geld für ihre Katzen-Auffangstation zu erhalten Die Reaktionen aus den zuständigen Amtsstuben – der Tierschutzverein wird von mehreren Gemeinden finanziert – war verhalten: Die meisten Bürgermeister antworteten nicht, einer sagte klipp und klar nein. Im neuen Jahr scheint nun eine Lösung in Sichtweite. Mehrere Gemeinden wollen sich auf ein gemeinsames Konzept einigen. Ein Vorschlag liegt auf dem Tisch, jetzt müssen die Gemeinderäte zustimmen.
Konkret geht es darum, wie viel Geld für Fundtiere ausgegeben wird – bei der schwierigen kommunalen Haushaltslage ein kontrovers diskutiertes Thema. Der Tierschutzverein Achern möchte einen neuen Vertrag abschließen, nach dem er künftig mindestens zehn Cent pro Einwohner der entsprechenden Gemeinde erhält. So zahlten Sasbachwalden, Ottenhöfen, Lauf, Seebach und Sasbach bislang pro Jahr jeweils 60 Euro pauschal. Mit der Zehn-Cent-Regelung erhöht sich dieser Betrag in Sasbachwalden zwar auf 252 Euro. Gleichzeitig entfällt aber der Mitgliedsbeitrag von 60 Euro, wodurch unterm Strich 192 Euro an der Verein gehen.
»Die Bürgermeister behandeln uns wie einen Musikverein«, klagt Tierschutzverein-Vorsitzende Frédérique Weiss und verweist auf die besondere Verantwortung gegenüber Lebewesen. Momentan läuft die komplette Betreuung ehrenamtlich. Man brauche aber dringend die Mittel für eine zusätzliche 400-Euro-Kraft, um die Versorgung der Tiere zu verbessern, Oberbürgermeister Klaus Muttach wiederum hält dagegen, man habe dem Verein schon ein Grundstück kostenlos überlassen.
Marode Heizanlage
Zahlenspiele finden auch im Tierheim Maria Münter in Ottersweier statt. Der Kessel der 37 Jahre alten Heizung hat mehrere Risse, auch das Dach ist angeschlagen. Interne Schätzungen der betroffenen Verwaltungen gehen von 140 0000 Euro Sanierungskosten aus. Geht die Heizung mitten im Winter plötzlich kaputt, könnten die Hunde im schlimmsten Fall erfrieren.
Wie die gewaltige Summe beschafft werden soll, darüber denken die Bürgermeister derzeit noch nach. Es besteht durchaus ein Grund zur Hoffnung, weil das Land möglicherweise ein Drittel der Kosten übernimmt.
Ein trauriger Blick durchs Zwinger-Gitter. Tierschützer bestehen darauf, dass ausgesetzte Tiere eine würdige Unterkunft erhalten – was nur durch ausreichend Geld möglich ist.
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