»Erzählt uns vom reichen Deutschland«
Ottenhöfenerinnen erleben im kenianischen Waisenhaus Malaika vier Monate lang eine andere Welt
Drei junge Damen, zwei davon aus Ottenhöfen, verbrachten vier Monate im Malaika Children’s Home in Kenia. Sie tauchten dort im Alltag im Waisenhaus und in der Schule in eine völlig andere Welt ein. Vergessen werden sie das so schnell nicht.
Vom »Virus Africanus« ließen sich im Waisenhaus Malaika Children’s Home, das vom Ottenhöfener Verein Afrikanisch-Deutsche Partnerschaft Malaika betreut wird, die Ottenhöfenerinnen Kathrin Benz und Simone Bühler sowie Theresa Feldheim aus Leibertingen erfassen Für die Kinderkrankenschwestern Simone Bühler und Theresa Feldheim hatte das Praktikum berufliche Bedeutung. Vier Monate verbrachten sie im Children’s Home in Shiseso im Distrikt Kakamega in Kenia.
Anfangs fiel es den drei Europäerinnen noch schwer, sich in das fremde Leben einzufinden, doch nach zwei Wochen hatten sie ihre Aufgaben gefunden. So halfen sie beim Vorbereiten, Kochen und Backen von Ugali, Skuma Wiki oder Chapatti sowie beim Zubereiten von Mais und Bohnen. Auch die richtige Mischung beim Nationalgetränk, Schwarztee mit Milch und viel Zucker, war bald gefunden.
Krüge auf dem Kopf
Zur Praktikantentätigkeit gehörte auch Bürotätigkeit bei der Aufnahme von Neuankömmlingen. Zum Füllen der Wassertanks lernten die Drei ganz nach afrikanischer Tradition, die großen Wassereimer vom Brunnen zum Tank auf dem Kopf zu transportieren. Nebeneffekt war, dass damit die Arm- und Nackenmuskeln kräftig trainiert wurden.
Oft begleiteten Kathrin Benz, Simone Bühler und Theresa Feldheim auch die Kinder in ihren schicken Schuluniformen zu den Schulen. Die Kleinsten von der Babyclass bis zur zweiten Klasse gehen in die neu gebaute Schule von Malaika, ab der dritten Klasse müssen sie in die staatliche Primary School in Shiamusinjiri und später in die Secondary School.
Anders als in Deutschland, wo die Schülerzahlen zurückgehen, wächst die St Stevens The Bridge Academy, wie die Malaika-Schule heißt, konstant, ab 2011 wird eine dritte und vierte Klasse eingerichtet. Im Waisenhaus hofft man auf eine rasche Erweiterung bis eines Tages zur zwölften Klasse, denn die Qualität der Malaika-Schule ist weitaus besser als die der staatlichen Schulen.
In den Schulen verfolgten die drei Praktikantinnen nicht nur den Unterricht, sondern durften ihn auch mitgestalten, sei es beim Thema Hygiene oder in Mathematik. Am häufigsten wünschten sich die Kinder und Jugendlichen von Kathrin Benz, Simone Bühler und Theresa Feldheim jedoch, dass sie von Deutschland erzählen, von dem Land, aus dem die »Mzungus«, die Europäer, kommen. In den Vorstellungen der afrikanischen Kinder ist es ein Land mit unermesslichem Reichtum und unbegrenzten Möglichkeiten.
Trommeln und singen
Was die drei Praktikantinnen faszinierte, war die Freude der afrikanischen Waisenkinder an Musik und Gesang. Wenn nach dem Abendessen alle zum Abendgebet gerufen wurden, wurde, bis alle anwesend waren, mit Hingabe getrommelt und gesungen.
Auch lieben die Malaika-Kinder Sport und Spiel. »Simone, Kathrin, Theresa, come and play with us« drang oft der Ruf der Kinder in das Zimmer der Praktikantinnen. Waren sie draußen, hieß es gleich »Let’s play ball« und es entstand ein heißes Fußballmatch oder ein anderes Ballspiel. Nahmen daran zunächst vier bis acht Kinder teil, waren es im Nu 30 und 40 Kinder und es ging dabei richtig rund.
Vier Monate fühlten sich die drei Praktikantinnen in einer Welt, in der einfach alles anders ist als in Deutschland, und sie konnten reichhaltige Erfahrungen sammeln, die ein Leben lang in tiefer Erinnerung bleiben werden.
Theresa Feldheim, Simone Bühler und Kathrin Benz (von links), geschmückt mit den Girlanden eines Festes, absolvierten ein Praktikum im Waisenhaus Malaika Children’s Home in Kenia und sammelten dabei reichhaltige Erfahrungen.
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