Dem Christkind auf der Spur
Die Kindergartenkinder aus dem Acherner Rollerbau freuen sich, dass heute endlich Weihnachten ist.
Die Geschenke bringt der Weihnachtsmann!« – »Nein, das Christkind!«, weist der fünfjährige Niklas seinen gleichaltrigen Kindergartenkollegen Dennis energisch zurecht Claudia Klefenz, die dem Disput zugehört hat, schüttelt schmunzelnd den Kopf: »Ja, bei uns gibt es zwei Fraktionen, die für ihre Überzeugung eintreten, die Weihnachtsmann-Fans und die Christkind-Anhänger«, bestätigt die Leiterin des Acherner Kinderhauses im Rollerbau.
»Obwohl der Glaube an den Weihnachtsmann in der Vergangenheit überhand genommen hat, gibt es immer noch viele Kinder, die darauf bestehen, dass es das Christkind gibt.«
Liebevoll geschmückte
Nischen sollen die Kinder zum Philosophieren und Fragen anregen.
Dabei lassen die 54-Jährige und ihre Mitarbeiterinnen nichts unversucht, um den Kleinen den christlichen Aspekt hinter der weihnachtlichen Geschenkeorgie zu vermitteln.
»Das Fest des Sankt Martin ist für uns der Startschuss, um uns auf die Adventszeit und den heiligen Abend vorzubereiten«, sagt die 33-jährige Simone Lenski. Dann werden die Nischen im Haus wie Fenstersimse, Regale oder Türstöcke mit Kerzen, Glöckchen, Tannenbaumgirlanden, Tannenzweigen und dem selbst gebastelten Schmuck der Kinder liebevoll dekoriert.
Kleine aufgeklebte Sternchen auf dem Boden lassen die Gruppe der Fünfjährigen, die über ihre Weihnachtsvorstellungen erzählen sollen, zunächst in helle Entzückensschreie ausbrechen. »Genau das beabsichtigen wir damit, dass die Kinder überall etwas entdecken können, neugierig werden und ein bisschen ins Philosophieren kommen.«
Das Singen von Weihnachtsliedern und Vorlesen von Geschichten und Gedichten heizt die Vorfreude noch an. »Wir wollen damit bei den Kindern ein Basiswissen schaffen, welche Heiligen es gibt und warum diese in unserem Kulturkreis überhaupt gefeiert werden.«
Die Kinder kennen zum Beispiel die Geschichte vom Bischof Nikolaus aus Myra. Selbst wenn sie wissen, dass er vor ganz, ganz langer Zeit gelebt hat, glauben sie an ihn, wenn er in den Kindergarten kommt«, freut sich Lenski. Aber auch warum in Polen Heu unter dem Weihnachtsbaum liegt, in Italien die gute Hexe »La Befana« die Geschenke bringt oder die Kinder in Griechenland an Heiligabend unter Trommel- und Glockenklang durch die Straßen ziehen, versuchen die Erzieherinnen zu erklären. »Dafür recherchieren wir schon mal im Internet oder schlagen in Büchern nach«, ergänzt Klefenz.
Natürlich werde auch Rücksicht genommen auf Kinder mit muslimischen Hintergrund. »Dabei sind wir auf eine ganz große Offenheit auf Seiten
der Eltern gestoßen. Diese haben sich sogar eingebracht, zum Beispiel mit einem Nikolausstrumpf oder sie kommen zur kleinen Abendandacht in die Antoniuskapelle in Oberachern, die immer kurz vor Heiligabend stattfindet.«
Aber auch heute gehe die Familie in die Kirche, weiß Sophia aus Oberachern. »Das haben wir letztes Jahr schon so gemacht.« Während sich Angelina aus Achern darauf freut, »mit meiner Mama den Tannenbaum ganz bunt zu schmücken«, hat Rike aus Oberachern schon der Vorweihnachtszeit viel abgewinnen können. »Mir gefällt es, wenn überall die Lichter in den Häusern und an den Bäumen glänzen.«
Auch die Sasbacherin Louisa kann es kaum abwarten, den dekorierten Baum zu sehen. Aber noch mehr ist sie auf das Essen heute gespannt. Zur Einstimmung darauf gab es schon die Tage vorher Plätzchen zu schnabulieren, »die ich zusammen mit der Mama gebacken habe.«
Niklas, Verfechter des Christkinds, hat ein bisschen Lampenfieber vor heute Abend. Schließlich muss er ein Gedicht aufsagen, nachdem seine Schwester ein Stück auf der Flöte vorgetragen hat. Außerdem ist er nicht ganz zufrieden mit den Heiligen Drei Königen. »Die stehen bei uns noch auf der Fensterbank und sind noch nicht bei der Krippe angekommen.«
Musikalisch geht es auch bei Emilie in Oberachern zu. Da singt die ganze Familie Weihnachtslieder. »O Tannenbaum, Ihr Kinderlein kommet und so.« Auch bei ihr gibt es einen Baum »neben dem Sofa in der Ecke«. Aber der werde von den Engelein geschmückt mit dem Schmuck von meiner Mama und mir, sagt das kleine Mädchen ganz inbrünstig.
»Wenn das Christkind
einen hört, nimmt es die Geschenke wieder mit und fliegt einfach davon.«
Joshua, der gestern unbedingt wach bleiben wollte, um dem Spender der Geschenke auf die Schliche zu kommen, bedauert, dass »das Christkind nicht gewusst hat, dass ich schon geschlafen habe, als es die Geschenke gebracht hat.« Vielleicht hat er ja mehr Glück im nächsten Jahr.
Adam aus Achern verrät: »Man muss ganz leise sein. Denn wenn das Christkind einen hört, nimmt es die Geschenke wieder mit und fliegt davon.« Auf jeden Fall freue er sich »ganz arg auf die Geburt von Jesus und auf den Besuch von Oma und Opa in Stetternich«.
Zustimmend nickt Clara aus Oberachern. »Genau! Weil das Christkind geboren wird, gibt es heute Geschenke.« Nur die Zeit bis zur Bescherung vergeht nach ihrem Gefühl furchtbar langsam.
Auch für die anderen Kinder ist Weihnachten ohne Geschenke einfach blöd. Findet auch Dennis aus Achern, der sich »einen ferngesteuerten Monster-Truck wünscht«. Leonie aus Gamshurst dagegen ist schon mit einer »Rapunzel-Barbie« glücklich zu machen.
Heute, Kinder, wird’s was geben... Die Rasselbande aus dem Rollerbau in Achern hat sich Gedanken darüber gemacht, was wohl hinter dem Weihnachtsfest stecken mag, von links Angelina, Rike, Sophia, Joshua, Adam, Clara, Dennis und Niklas
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